Wow! - Danke!

Predigt zum Erntedankfest, 04.10.2020; Sonntagsgottesdienst mit Firmung und Erstkommunion

Foto: pixabay

Liebe Firmanden, liebe Familien der Firmanden, liebe Schwestern und Brüder!

Mit (so) einem Handy kann man viele Sachen machen: Es gibt kaum einen Vorgang, zu dem es nicht eine App gibt. Dieser Tage habe ich in einem Radiobeitrag gehört, dass Psychologen und Therapeuten eine App entwickelt haben, mit der sie Menschen helfen, die sehr in negativen Gedanken gefangen sind, die sich immer sehr viele Sorgen machen.

Eigentlich ist die App ganz einfach: Sie regt einfach an, jeden Tag immer dann, wenn einem etwas Gutes, Schönes begegnet, ein Foto mit dem Handy davon zu machen. Am Abend dann regt die App an, diese Bilder vom heutigen Tag noch einmal bewusst anzuschauen und dadurch das Gefühl von Dankbarkeit zu bekommen. Und tatsächlich die App, wenn sie so angewendet wird, wirkt: Nach einigen Wochen verändert sich die Stimmungslage zum besseren, die negativen Gedanken und Sorgen sind zwar nicht weg, aber sie sind längst nicht mehr so übermächtig.

Ich meine, es braucht dazu nicht einmal eine eigene App. Das kann man auch einfach so mit dem Handy machen, wenn man einfach auf diese Weise Fotos macht und dann am Abend unter diesem Gesichtspunkt anschaut. Ja, ich glaube, dass es dazu nicht einmal unbedingt ein Handy braucht: Es soll Leute geben, die „Dankbarkeitstagebuch“ schreiben, oder einfach ein Zettel auf dem Nachttischchen dafür parat haben. Aber es braucht nicht einmal unbedingt das. Wir haben die Bilder von jedem Tag ja auch im Kopf und im Herzen, man muss sie nur in Gedanken herholen und bewusst diesen Fokus wählen.

Bei uns im Kirchengemeinderat hat im letzten Advent jeder jedem anonym eine kleine Karte geschrieben und darauf ein paar Worte: „Das habe ich in dir entdeckt, das Gott in dich gelegt hat…“ Vor kurzem sagte mir ein geistlicher Begleiter: „Du hast alles schon mal gelesen vor vielen Monaten als du den Umschlag mit den Karten bekommen hast, aber warum liest du nicht auch jetzt jeden Tag eine Karte und lässt das bewusst auf dich wirken?“ Seither mache ich das, und ich merke, es verändert mich von innen her. Wenn manchmal so trübe Gedanken meinen, sie müssten die Oberhand gewinnen, dann spüre ich: Nein, da ist noch etwas anderes und das ist viel bedeutender…

Es gibt auch Leute, die, wenn sie Geburtstag haben, für jedes Lebensjahr sich überlegen: Für was bin ich in in jedem einzelnen Jahr besonders dankbar? Das Schöne dran ist: Je älter man wird, desto mehr kommt zusammen.

Ich bin überzeugt: All diese Dinge, wenn das immer wieder mal macht, das verändert einen von innen her. Drum ist es auch gut, wenn wir heute wie jedes Jahr das Erntedankfest feiern. Das erinnert uns daran, dass es nicht selbstverständlich ist, dass wir alle genug zum Leben haben. Genug Essen und Trinken, aber auch genug andere Dinge, die wir zum Leben brauchen, wie Freundschaft und Liebe.

Es erinnert uns auch daran, dass wir das, was wir haben, auf dieser Welt gerecht verteilen sollen, denn gerecht verteilt, würde es auch für alle reichen. Das Danken soll dabei nicht zur Pflicht werden („sag schön Danke…“), sondern etwas, das uns selber positiv verändert.

Das Evangelium, das wir gerade gehört haben, kann auch als Einladung zur Dankbarkeit verstanden werden: Da ist dieser Bauer: Es ist ja nicht so, dass er einfach die Hände in den Schoß legt und nichts tut und abwartet. Er macht das, was er tun kann, das, was er gelernt hat: Er bereitet den Acker und er sät den Samen darauf aus. Und dann? Dann schläft er. Wie schön, dass auch das Schlafen, ebenso wie das Säen ein Beitrag zum Reich Gottes ist…

Und was passiert, während er schläft? Das, was er gesät hat, wächst. Da tut er nun gar nichts dazu, das kann er auch gar nicht. Er kann arbeiten und säen, gießen, usw. Aber Wachsen lassen, das kann er nicht. Und das braucht er auch nicht. Das kommt nicht von ihm,das kommt von woanders her.

Jesus will uns mit diesem Bild auf Gott hinweisen und sagen: Tue alles, was du kannst, bring dich ein mit deinen Kräften und Fähigkeiten – ohne das geht es nicht, aber dann gibt es da noch etwas ganz Wesentliches, das wir alle nicht machen können. Das kommt von Gott, das macht er. Das Schlafen ist die Haltung, Gott zu vertrauen und ihn machen zu lassen, es geschehen zu lassen.

(Abschluss für den Firmgottesdienst:) *Wenn ihr heute gefirmt werdet, dann passiert genau das: Ihr habt Euch in den letzten Monaten darauf vorbereitet, ihr habt Euch Gedanken gemacht: Ist das auch mein Glaube…? Welche Rolle soll Gott in meinem Leben spielen…? Ihr hab Euch in Gruppen getroffen, diskutiert und Gottesdienste besucht und vieles mehr. Das ist auch gut so, das ist Euer Beitrag, das braucht es, dass der Glaube mehr und mehr auch Eure Sache werden kann.

Aber jetzt, wenn wir die Firmung feiern, dann braucht Ihr gar nichts mehr zu tun. (Schlafen ist jetzt zwar nicht dran, es braucht Eure Wachheit…) Ihr braucht jetzt nur, etwas flapsig gesprochen, euren Kopf und vor allem euer Herz hinzuhalten. Alles andere tut Gott.

Das meint „Heiliger Geist“: Er ist die innere Kraft, nicht zu greifen, nicht festzuhalten, aber doch da und wirksam – und wie! Er ist die Kraft, die einen Menschen aufbaut, die alle Kräfte und Möglichkeiten in einem Menschen weckt, er ist Leben pur, das einen hochzieht, wenn man mal unten ist, er ist es, der einem das Herz warm macht, er ist die Kraft, die Ideen in uns weckt, die vorher nicht da waren und der Schwung, er einen in Fahrt bringt. Er lässt alles Gute in uns und um uns herum wachsen. Und vieles andere mehr.

Und er ist die Kraft, die einen „Danke“ sagen lässt, nicht als Pflicht, sondern aus echter Freude heraus, weil ich durch ihn entdecke, wir reich ich beschenkt bin. Das wünsche ich Euch und uns allen:

Das Ihr immer etwas davon spürt, von dem, was Gott in Euch und für Euch wachsen lässt. Was er Euch geschenkt hat und schenkt. Wer mag, kann das dann mit dem Handy, auf Papier oder anderswie festhalten. Vor allem aber im Herzen.

Lasst euch mit diesem Geist stärken!

Amen.

 

(Abschluss für die Erstkommuniongottesdienste:) *Wenn ihr heute zum ersten Mal die heilige Kommunion empfangt, dann passiert genau das: Ihr habt Euch in den letzten Monaten darauf vorbereitet in Gruppenstunden, aber auch in der Mitfeier von Schülergottesdiensten und vielem mehr.

Aber jetzt, wenn wir Gottesdienst feiern, dann geht es wie bei den Bauer in der Geschichte: Er hat das seine getan. Das haben auch wir: Ihr habt euch vorbereitet und wir alle haben alles bereitgestellt was wir brauchen: Brot und Wein, wir haben den Tisch gedeckt, so wie die Jünger damals alles vorbereitet haben, dass er mit ihnen das Abendmahl feiern kann.

Aber dann geschah damals und geschieht heute etwas, das nicht von uns kommt, das nicht wir machen: Jesus sagt zum Brot: „Das ist mein Leib“ und zum Wein: „Das ist mein Blut“. Damit sagt er: „Das bin ich.“ Ich bin in Brot und Wein und darin schenke ich mich dir. Ich schenke dir mein ganzes Leben. So wie wir ohne Essen und Trinken nicht leben können, so können wir ohne das, was Gott uns schenkt, nicht sein.

In diesem Brot sagt Jesus: „Ich komme zu dir und ich gebe dir meine Kraft.“ Einfach so. Geschenkt. Und das Geschenk ist nicht einfach etwas, es ist Jesus selbst, der sagt: „Ich bin für dich da.“ „Wie in einen Brief habe ich alles in dich hineingeschrieben, meine ganze Liebe. Und du kannst sie dann weiter geben, wie ein Brief, der ein Liebesbrief ist.“

Wenn wir so reich beschenkt werden, dann können wir auch aus ganzem Herzen Danke sagen. Darum nennen wir diesen Gottesdienst auch Eucharistie – Danksagung. Wir danken Gott für das Geschenk des Lebens, das er uns durch Jesus gibt.

Ich wünsche euch, dass ihr immer die Freude und die Dankbarkeit für dieses Geschenk spüren dürft.

Amen.