Um einen Tisch

Predigt zu Gründonnerstag

W. Geyer, Chorfenster St. Markus, Foto: Kirchengemeinde

Predigt als VIDEO zum Anschauen

Liebe Schwestern und Brüder, liebe Erstkommunionkinder und -familien!

Ein Sonntagsfrühstück: Brötchen, gekochte Eier, die Mutter trinkt Tee, die erwachsene Tochter hat einen Milchkaffee vor sich. „Könnt ihr uns hören?“, fragt der Vater und rückt die Kamera noch mal zurecht. „Ja!“ „Na dann: guten Appetit!“ Die Antwort kommt aus vier verschiedenen Esszimmern in Deutschland. So weit ist diese Familie mit ihren erwachsenen Kindern verteilt. Corona verhindert, dass sie zusammenkommen. Aber doch wollen sie sich das gemeinsame Frühstück nicht nehmen lassen. So sitzen sie halt digital an einem Tisch.

Die könnten doch erst alle für sich essen, wenn sie ja schon nicht an einem Ort sind und dann ihre Familien-Videokonferenz machen…!? Aber nein, sie wollen eben wenigstens etwas von dem erleben, was sie zu normalen Zeiten auch tun würden: Miteinander am Tisch sitzen, essen und trinken und miteinander reden.

Alle spüren: Irgendwie gehört das zusammen. Essen und Gemeinschaft. Wenn man das trennt, dann ist die Viedokonferenz halt nur eine Besprechung. Am Tisch, zur Not halt am digitalen, da es das ein Erleben von Familie, Gemeinschaft.

Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen heißt es im Sprichwort. Essen und Trinken hält aber nicht nur jeden einzelnen zusammen, sondern uns alle auch als Gemeinschaft.

Das war auch bei Jesus und seinen Jüngern schon so. Jesus wusste, dass er bald sterben muss. Er hätte zu seinen Jüngern sagen können: „Treffen wir uns da und dort, dann machen wir eine Besprechung und ich sage euch noch mal alles, was mir wichtig ist.“ Aber er beraumt keine Besprechung an, kein Meeting, keine Sitzung. Er holt seine Jünger zum Essen zusammen, zu einem Mahl wie es das Pessach-Fest der Israeliten vorsieht. Natürlich wurde da gesprochen. Aber eben nicht nur das. Es wurde auch miteinander gegessen und getrunken.

Mehr als Worte wollte Jesus seinen Jüngern an diesem letzten gemeinsamen Abend mitgeben. Darum das Mahl. Er wollte ihnen mitgeben: „Auch wenn ich bald sterben muss, bin ich bei Euch – immer.“ Das sagt er mit Worten, aber vor allem sagt er ihnen das durch Zeichen. Und er nimmt Zeichen, die alle irgendwie verstehen können, auch wenn sie vielleicht das noch nicht ganz in der Tiefe erfassen.

Er nimmt Brot und sagt: Das ist mein Leib. Das bin ich. Er nimmt den Wein und sagt: Das ist mein Blut. Das bin ich. Und über allem steht seine Zusage: „Für euch!“

Er sagt und zeigt damit: Ich bin für euch da. Ich gebe mein Leben für euch. Damit gibt er auch seinem Tod eine besondere Bedeutung: Sein Blut wird vergossen, scheinbar sinnlos, weil er als Unschuldiger wie ein Verbrecher sterben muss. Aber er gibt dem einen neuen Sinn: Das geschieht für euch!

Darum sind auch Brot und Wein die besten Zeichen dafür: Das Brot ist ja nicht für sich selber da und auch nicht der Wein. Das Brot ist dafür da, dass es gegessen wird und der Wein ist dafür da, dass er getrunken wird. Erst wenn beide Zeichen sich sozusagen verschenken an andere, dann bekommen sie ihren vollen Sinn.

So ist es auch mit Jesus. Er verschenkt sein Leben an seine Jünger und an uns alle. Auch wenn es ihn selbst sein Leben kostet. „Nehmt und esst, nehmt und trinkt! Ich gebe alles – auch mein Leben - für Euch!“

Indem Jesus seinen Jüngern beim Mahl dann noch die Füße wäscht, das tut, was sonst nur die Sklaven tun, auch darin will er seinen Jüngern zeigen: „Ich tue das alles für euch. Damit es euch gut geht, und ihr Leben habt.“

Das dürfen wir heute feiern. Und das dürfen wir Sonntag für Sonntag feiern. Jesus sagt: Nimm und iss! Ich bin ganz für dich da!“ Sein Geschenk an uns ist er selber. (Ihr Erstkommunionkinder dürft das bald auch schon erfahren.)

Ich bin froh, dass wir uns heute – wenn auch mit Abstand – um diesen einen Tisch, den Altar hier in der Kirche versammeln können. Als wir vor kurzem mit den Erstkommunionkatecheten besprochen haben, wie wir die Ostertage feiern,da war die einhellige Meinung: „Wenn es irgendwie geht, dann wollen wir das alle zusammen in der Kirche feiern!“ Ja, das stimmt.

Der „digitale Tisch“ ist gut, aber am besten ist noch immer der reale Tisch, um den wir uns versammeln und die Gemeinschaft erfahren, in der wir die Gemeinschaft mit Jesus feiern. Das gilt für die Familie wie auch für uns als Gemeinde. Jesus lädt uns ein: „Nehmt und esst und erlebt: Ich schenke dir mein Leben.“

Amen.

Pfarrer Bernhard Schmid