Pilgern auf Ökumenisch...

Es ist schon erstaunlich, was in Bewegung kommt, wenn sich Menschen auf den Weg machen. Dies wurde eindrücklich bei der diesjährigen Ökumenischen Woche, die erstmals gemeinsam mit Ottenbach durchgeführt wurde, unter Beweis gestellt. Denn Pilgern ist längst keine rein katholische Angelegenheit mehr. Auch viele Evangelische haben sich auf den Weg gemacht und sind verändert zurückgekommen.

Was das Pilgern in Menschen bewegen kann, wurde bereits beim Auftaktgottesdienst in der Liebfrauenkirche deutlich. Anhand der Pilgergeschichte der alttestamentlichen Hanna führte Pfarrerin Kathinka Korn in die biblischen Grundzüge des Pilgerns ein. So klangen in dem gemeinsam mit Pfarrer Bernhard Schmid gestalteten Gottesdienst bereits einige der gängigsten Motive und Hintergründe für das Pilgern an.

Mit ganz individuellen Erfahrungen warteten am Ökumenischen Abend im Gemeindehaus der Christuskirche dann die drei Pilger*innen Simone Gugel, Tamara Werner und Stefan Schacher auf. So ließ Pfarrer Stefan Schacher die Anwesenden u.a. an den individuellen Erlebnissen in der Pilgerseelsorge in Santiago de Compostela teilhaben und machte deutlich, wie beglückend viele den Moment des Ankommens am Ende des beschwerlichen Weges empfinden. Referendarin Tamara Werner erzählte dagegen sehr anschaulich von den Grenzerfahrungen, die sie auf dem Jakobsweg machte, und auch davon, wie ihre Füße so geheilt werden konnten, dass sie doch noch den Weg bis nach Santiago de Compostela zu Ende gehen konnte. Auch ihre Gedanken zu der Frage „Wie konnte ich mich als junge Frau allein auf ein solches Wagnis einlassen?“ verhehlte sie dem Publikum nicht. Dass man auch in kürzeren Etappen Pilgern kann und sich dabei trotzdem viel in einem verändern kann, belegte Simone Gugel, Bezirksjugendreferentin in Ludwigsburg, mit ihren ganz unterschiedlichen Pilgererfahrungen, die von einer Teilstrecke des klassischen Jakobswegs nach Santiago de Compostela bis zu einem Wochenendtrip am Bodensee reichen. Gebetet haben alle drei viel und auf ganz unterschiedliche Weise auf ihren Pilgerwegen. Vom Stoßseufzer, das nächste Quartier möge keine Wanzen haben, bis hin zum Dankgebet für einen schönen Sonnenaufgang oder das Erreichen eines Etappen¬zieles, war alles dabei. Denn wie sagten sie so schön?! „Der Weg gibt einem, was man braucht, nicht was man will!“ Für die zahlreichen Besucher*innen dieses Abends waren dies genug Anregungen, um sich selbst einmal auf den Weg zu machen, denn „Aufbrechen beginnt bekanntlich im Kopf“, wie Simone Gugel es abschließend auf den Punkt brachte.

Am Samstagnachmittag wurde dann das „Beten mit den Füßen“ auf dem Franziskusweg in Ottenbach ganz konkret erfahrbar. Rund dreieinhalb Stunden waren die Halbtagespilger rund um Ottenbach und Kitzen auf dem mit viel Liebe gestalteten Glaubensweg unterwegs. Die inhaltliche Leitlinie bildete dabei der Sonnengesang des heiligen Franziskus. Während die beiden Ottenbacher Mitinitiatoren des Franziskuswegs Karl Schönweiler und Helmut Kottmann den interessierten Pilgern die Grundkonzeption des Glaubenswegs sowie die anregenden Skulpturen und Installationen näherbrachten, bereicherten Pfarrer Bernhard Schmid und Pfarrerin Kerstin Hackius die Wegstrecke liturgisch mit Liedern und weiterführenden Impulsen zu den Versen des Sonnengesangs. Den Abschluss im Franziskuscafé bei Gebäck und warmen Getränken nahmen die meisten nach den frischen Temperaturen auf der Wegstrecke rund um Ottenbach gerne an.

Das Taizégebet am in der Lutherkirche bündelte dann auf berührende und anregende Weise die Eindrücke und Erfahrungen der gemeinsamen Ökumenischen Woche in Eislingen und Ottenbach. Eine Kooperation, die aus unserer Sicht übrigens im nächsten Jahr ruhig weitergehen kann.

 

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