Gott und die Welt... - seine Welt!

Predigt und Gemeindebrief zum Dreifaltigkeitssonntag

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Hinweis: Da ist wieder möglich ist, die Gottesdienste zu besuchen, stellen wir unsere regelmäßigen Predigtvideos ein. Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht von Zeit zu Zeit interessante Videos auf unserem Youtube-Kanal gibt! Schauen Sie einfach mal rein, da finden Sie auch Videos zu verschiedenen Anlässen...

Bis auf weiteres führen wir jedoch den wöchentlichen Gemeindebrief (anstatt des Monatsbriefs) weiter, der immer die Predigt und aktuelle Informationen enthält. Auch hier veröffentlichen wir weiterhin die Predigt zum Nachlesen.

Ebenso ist es weiterhin möglich die Gottesdienste am Dienstag- und Donnerstagabend, sowie am Sonntag und Feiertagen um 10:30 Uhr über unser Gottesdienst-Telefon mitzufeiern: 07161 / 50 84 129

Gemeindebrief zum Dreifaltigkeitssonntag zum Herunterladen...

Segensstationen an Fronleichnam, Übersicht...

 

Liebe Schwestern und Brüder!

„Ohne das Corona-Virus würde meine Mutter noch leben!“ So sagt mir jemand dieser Tage im Gespräch. Dabei war sie nicht infiziert und ist auch nicht an Covid-19 gestorben wie manche andere. Und doch hatte sie zusammen mit ihren Angehörigen an den Folgen zu leiden – auch wenn es im Nachhinein schwierig ist, im letzten zu bestimmen, welche Kombination von Faktoren zu ihrem Tod geführt hat. Ganz sicher war jedoch die lange Isolation aufgrund eines notwendigen Klinikaufenthalts für sie wie für ihre Angehörigen schwer zu ertragen.

Jetzt, da wir in Deutschland uns schrittweise wieder in Leben wagen, da dürfen wir uns doch bewusst machen, dass wir zumindest bislang vergleichsweise glimpflich davongekommen sind. Ganz anders in vielen anderen Ländern, wenn wir auf die weltweiten Zahlen von im Moment 3,5 Mio Infizierten und fast 400.000 Toten schauen.

Wer das an sich heranlässt, dem müssen besonders auch als gläubigen Menschen viele Fragen kommen. Was ist, wenn die Welt aus den Fugen gerät, was gibt uns da Hoffnung? So fragte Frere Roger bereits in Jahr 2003 in einem Brief. Und die Antwort, die er gab mit einem Wort eines Kirchenvaters, war: „Gott kann nur lieben. Das Leiden kommt niemals von Gott.

Gott ist nicht der Urheber des Bösen, er will weder menschliches Elend noch Unordnung in der Natur, grausame Unfälle oder Kriege. Er teilt den Schmerz der Menschen, die schwer geprüft werden, und lässt uns Wege finden, die zu trösten, die Leid erfahren.“, so Frère Roger. Wenn Gott die Corona-Epidemie nicht will – kommt sie gegen seinen Willen über die Menschheit?

Das stellt uns tiefe Fragen an Gott und diese Fragen haben zutiefst mit dem zu tun, was wir heute feiern: Gott, den Dreifaltigen. Wer ist dieser Gott? Die Gefahr ist oft, dass wir die Frage nach dem einen Gott in drei Personen einfach als eine theologische Spezialfrage abtun, die mit unserem Leben nichts zu tun hat.

Doch ich meine, sie hat viel mit dem zu tun. Noch einmal: Wer ist dieser Gott, wer ist dieser Gott für uns und für die Welt? Diese Frage ist für uns Christen nicht unabhängig von der Vorstellung des einen Gottes in drei Personen zu beantworten.

Die Bibel sagt uns: Gott ist Vater, er ist Schöpfer. Und das ist er nicht irgendwie. Sondern er hat seiner Schöpfung etwas wesentliches mitgegeben: Seine Schöpfung ist weder so, dass sie wie ein Uhrwerk ist, das einmal konstruiert und aufgezogen einfach so mechanisch abläuft. Noch besteht seine Schöpfung einfach aus Bausteinen, die halt immer wieder neu zusammengesetzt werden können. Gott hat der Schöpfung eine Eigengesetzlichkeit mitgegeben, den Impuls, dass Leben wächst, das immer Neues hervorbringen kann. So ist seine Schöpfung eben nicht Wiederholung des immer gleichen, sondern sie entsteht und entwickelt sich in jedem Moment weiter – auch in einem Virus, das neu entsteht.

Doch diese Eigengesetzlichkeit ist kein Raum ohne Gott. In allem wirkt er. So ist er aber zugleich auch in allem, was gegen das Virus wirkt und in allen, die mit ihren Fähigkeiten und Kräften dagegen ankämpfen. Da können wir an die unzähligen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen denken, die forschen und die Kräfte der Natur gezielt einzusetzen im Kampf für Gesundheit und Leben. Oder wir können an die vielen in Medizin und Pflege Engagierten denken, die oft unter dem Einsatz ihrer ganzen Kräfte sich um andere sorgen. So betrachtet, kann man sagen: „Welche Woge der Liebe lässt Gott gerade durch die Herzen so vieler Menschen fließen!“

Natürlich bleibt die bedrängende Frage, warum Gott ein Leid in seiner Schöpfung entstehen lässt, um es dann mit Hilfe der Kräfte seiner Schöpfung zu bekämpfen und zu überwinden. Diese Frage ist nicht zu beantworten – wobei beantworten eben nicht eine „mathematische“ Antwort bedeutet – ohne den Blick auf Jesus Christus, „den Sohn“. Das, was so widersprüchlich scheint, warum es scheinbar das Böse braucht, damit das Gute zum Durchbruch kommt, das lässt sich an Jesus, an seiner Geschichte, seinem Leben ablesen.

Dieser Gott, der alles geschaffen hat, der lässt seine Schöpfung eben nicht einfach laufen, er sagt auch nicht: „Das geht mich jetzt nichts mehr an.“ Er „schraubt“ aber auch nicht einfach von außen daran herum, wie ein Wissenschaftler in Labor, der sich da mit Schutzwand, Maske, Schutzanzug, Handschuhen komplett schützt, damit er ja nicht dem Schlimmen und Gefährlichen das da vor sich geht, in Berührung kommt. Nein, in Jesus zeigt dieser Gott seine ureigenste Art: Nämlich sich selber ungeschützt mitten hinein zu begeben. Auch auf die Gefahr hin, das eigene Leben dranzugeben und auf die Gefahr hin, von der Macht in die Ohnmacht hineinzuwechseln. Dieser dreifaltige Gott -Vater, Sohn und Hl.Geist- ist keine Theorie, sondern die tiefgründige Erfahrung: Gott ist mit uns. Gott ist mitten drin.

Er setzt das um, um was Mose am Berg Sinai in der Lesung heute ihn eindringlich bittet: „Ziehe doch, mein Herr, in unserer Mitte.“ Ehrlich gesagt, ich musste dreimal diesen Satz lesen. Zuerst dachte ich, das ist ein Schreibfehler. Aber da steht nicht: „Ziehe doch, mein Herr, in unsere Mitte.“ Sondern: „Ziehe in unserer Mitte.“  Das ist im Deutschen nur ein Buchstabe Unterschied, aber es ist eine starke Akzentsetzung. Es meint eben nicht: „Komm mal zu uns.“ So wie ein Besucher, der dann, wenn es langweilig oder schwierig oder gar gefährlich wird, sich wieder aus dem Staub machen kann. „Ziehe in unserer Mitte“ bedeutet: „Wenn du mitten unter uns bist, dann gehe überallhin mit uns mit!“

Und genau so macht es Gott: Das Evangelium des heutigen Tages bringt es auf den Punkt: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ Gott geht da auf volles Risiko, bis zum Tod. Das Böse, das geschieht, ist für Gott kein Hindernis, in dem und sogar durch das hindurch das Gute zu schaffen.

Und das tut er permanent durch seinen Heiligen Geist. Der eben nicht von außen, wie die Hand des Wissenschaftlers im gut geschützten Handschuh eingreift, sondern der die innere, die inspirierende, stärkende, lebensschaffende Kraft ist, die auch aus dem Bösen Gutes wirken kann. Und das nicht ohne oder neben seiner Welt und nicht ohne oder neben uns Menschen, sondern gerade durch uns, in „Kooperation“ mit uns.

All das nimmt uns nicht die Fragen, vor allem nimmt es nun nicht den Schmerz über das Böse und den Tod, aber doch öffnet es uns eine Perspektive, gibt zumindest eine Ahnung von einem Gott, der immer Geheimnis bleibt, aber doch nicht unbestimmt ist, sondern ein „Gott, der immer nur lieben kann.“

Amen.

Pfarrer Bernhard Schmid