Insektensterben

Zum Vortrag über das Insektensterben und was der Einzelne dagegen tun kann, begrüßte Siegfried Riedmüller den Vorsitzenden des örtlichen BUND Gerhard Rink, und den Gärtnermeister Jeutter aus Göppingen im Kolpingheim.

v.l. J. Jeutter, Gerhard Rink

(gf) Die erste Aussage von Gerhard Rink schockierte gleich. „So ein dramatisches Insektensterben wie es zur Zeit passiert, gab es seit Menschengedenken nicht“. Von 500 Wildbienenarten sind 400 vom Aussterben bedroht, auch die Schmetterlinge werden immer weniger. Der bekannte „Krefelder Verein für Insekten“ hat festgestellt, dass in den vergangenen 20 Jahren die Masse der Insekten um 80 % abgenommen hat, auch in Naturschutzgebieten.
Auf eine Zwischenfrage ging Rink auf das Leben der Honigbiene in unserer Gegend ein. Die Honigbienen haben bei uns mit den Imkern viele Freunde aber das seien nur ca. 20% der benötigten Bestäuber. Die Insekten sind zentral für das Funktionieren unseres Ökosystems. Zum Beispiel die 6000 Schlupfwespenarten sind außer den Bestäuberaufgaben auch wichtig für die Schädlingsbekämpfung. Auch als Nahrung für viele Vogelarten sind Insekten notwendig. Als Ursache für den Rückgang der Insektenvielfalt nannte Rink 4 wichtige Punkte.

  • 1. Den Rückgang der Grünflächen. Zum Beispiel wurden in Eislingen in den letzten 20 Jahren 36 Hektar überbaut.
  • 2. Die Straßenlaternen sind für Insekten tödliche Fallen.
  • 3. Die Grünflächen werden in vielen kurzen Zeiträumen mehrfach gemäht und die Blumen kommen nicht mehr zur Blüte und zur Samenbildung. Die Insekten verhungern.
  • 4. Die Verwendung von Pestiziden in der Landwirtschaft.

Sollte das Insektensterben nicht aufgehalten werden, kämen riesige Probleme auf die Menschheit zu, und das auf der ganzen Welt. Zur Lösung dieser Aufgaben ist die Politik weltweit gefordert.

Aber auch wir in Eislingen müssen uns darum bemühen die Lebensbedingungen der Insekten zu verbessern. Und es tut sich auch etwas. Der BUND, der Schwäbische Albverein und der Imkerverein Eislingen haben zusammen überlegt was getan werden kann. Das Grünland sollte nicht so oft komplett gemäht werden. Für den geringeren Ertrag müsste der Landwirt entschädigt werden. Auch bei Grundstücken im Gemeindebesitz sollte darauf geachtet werden. Dazu gehört auch, dass möglichst wenig Boden mit Pflaster und Beton versiegelt wird. Die Stadtverwaltung hat auch großes Interesse an einer Verbesserung der Situation und hat eine Vollzeitstelle für einen Landschaftsplaner ausgeschrieben. Zu dessen Aufgaben gehört sicher auch die Koordination der notwendigen Maßnahmen mit den Landwirten, dem städtischen Bauhof und privaten Grundbesitzern.

An Hand von Bildern aus der näheren Umgebung von Eislingen zeigte Gerhard Rink auf, wie es ist und wie es sein könnte. Es gibt durchaus Flecken die für Insekten und auch für andere Tiere wie Urlaubsgebiete wirken. Die gilt es zu erhalten und möglichst miteinander zu verbinden, dass ein großes zusammenhängendes Netz entsteht.

Im privaten Bereich kommt es wesentlich auf die Gestaltung der Hausgärten an. Eine Grasfläche die mit der Nagelschere auf Länge geschnitten ist und kein anderes Pflänzchen duldet, ist für Insekten eine Wüste. Dort sterben sie. Auch für das menschliche Auge ist es doch viel schöner, wenn sich ein wenig Klee, Gänseblümchen oder Günsel eingenistet haben. Von Schottersteinen werden Bienen und Käfer nicht satt.

Im 2. Teil des Vortrags gab Gärtnermeister Jeutter in interessanter Weise Anregungen wie ein gelungener Garten aussehen könnte. Mit Bildern führte er durch die Anlage seiner Landschaftsgärtnerei im Göppinger Marbachtal. Er informierte über Blütezeiten, Tag- und Nachtblüher, die Vorliebe der verschiedenen Insekten. Es gibt auch Pflanzen, wie zum Beispiel die Linde, die noch wochenlang duften kann obwohl sie keine Pollen und keinen Nektar mehr haben. Es kommt vor, dass Bienen oder Hummeln welche nur 4 Stunden ohne Nahrung auskommen, auf der Suche nach Nektar verhungern. Andererseits gibt es Pflanzen die monatelang Nektar spenden.

Für Fragen zum Thema Naturschutz ist im Rathaus eine Beratungsstelle eingerichtet.

Wir erfuhren, dass die Hummel zu den Wildbienen gehört, sechsmal so viel Pollen wie eine Biene transportieren kann, und unempfindlich gegen Kälte ist. Sie kann also auch sammeln wenn sich keine Biene aus dem Stock traut. Bei der Bestäubung der verschiedenen Pflanzen sind Honigbienen mit ca.20% , Schwebfliegen mit 50% beteiligt. Den Rest teilen sich andere Arten.

Johannes Jeutter stellte die Vielfalt der Pflanzen vor, die als Insektenweide nützlich sind. Er erzählte so spannend von den Zusammenhängen in der Natur und speziell in seiner Gartenanlage, dass es schwer fällt, ihn dort nicht zu besuchen.